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Prädiktive KI als ethische Herausforderung unseren biologischen Todeszeitpunkt zu kennen?

Vortrag

Datum
9. April 2019

Zeit
10:15 - 10:30 Uhr

Ort
_Stage A, Halle 1.2

Wer will ewig leben? Die meisten Menschen wollen zumindest gesund leben, die enorme Komplexität des noch immer nicht voll verstandenen Systems "Mensch" hält allerdings mannigfaltige Krankheitsphänome bereit. Unsere Gene, unser Lebensstil, die Umweltbedingungen und natürlich auch die Entwicklung von und der Zugang zu smarter und personalisierter Medizin sind wesentliche Faktoren.  Auf dem Wege zu einer wirklichen smarten Präzisionsmedizin werden heute tagesaktuell immer wieder neue Themen auch in breiterer Öffentlichkeit diskutiert. KI und Medizin, smarte Pflege, digitale Prävention, Big Data Genomics und vieles mehr. Technologie trifft wieder auf Medizin - allerdings ist diesmal weniger ein gradueller als ein struktureller Wandel zu beobachten, die Medizin als Medizin wird eine andere und mit ihr das sie tragende System. So ist das Art-Patienten-Verhältnis neu zu justieren, die Transformation des Gesundheitssystems als Ganzem wird zumindest etwas weniger utopisch, neue datengetriebene Geschäftsmodell werden konkret, Smart Hospitals entwickelt. Und früher eher abenteuerlich klingende Forschungsideen werden bearbeitbar und bekommen möglicherweise eine zügige Praxisrelevanz. "[...] patient-specific predictions of time to an event such as mortality [...]" (Avati et al.  arXiv:1806.08324, p. 1) - die datengetriebene Vorhersage des eigenen Todeszeitpunkts ist vielleicht so etwas wie der Heilige Gral der KI-basierten Medizin. Freilich geht es der aktuellen Forschung weniger um den - von den Breitenmedien ausgiebig diskutierten- Todeszeitpunkt an sich sondern um ableitbare positive medizinische Effekte. Und dennoch und jetzt ist bei diesem Thema exemplarisch noch gerade die richtige Zeit, um ethische Reflexionen einzubringen. Bevor aus Fiction Fakten werden. Ethik darf nicht zu spät kommen um Ethik zu bleiben. Es geht um das, was sein soll mit Blick auf das was Ist, nicht andersherum. Wie wollen wir mit diesen technologischen Potenzialen der AI-Medicine umgehen? Wollen, dürfen, sollen wir unseren biologischen Todeszeitpunkt kennen?

Akteure

Referent:
Foto_Heinemann_Stefan_2019

Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik, FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Universitätsmedizin Essen