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Telederm – die Blaupause für interoperable fachärztliche Telekonsile

Vortrag

Datum
23. April 2020

Zeit
13:18 - 13:34 Uhr

Ort
_Stage A, Halle 6.2

Das IF-Projekt „Telederm“ der AOK Baden-Württemberg hat im Kleinen gezeigt – das Versorgungsmodell Telederm funktioniert!
2020 steht die Skalierung auf bis zu 3500 Nutzer in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg an – und damit auch die Integration in alle marktüblichen Praxisverwaltungssysteme.
Warum dies genauso schnell wie auch schon eArztbrief, Hauskomet und eAU gelingen kann und warum der „Doctor 2 Doctor“ Ansatz im Unterschied zum „Patient 2 Doctor“ die größeren Erfolgsaussichten hat, beschreibt diese Session.


Nach erfolgreichem Verlauf des Innovationsfonds-Projektes Telederm mit ca. 56 Hausärzten, 7 Dermatologen und über 550 Konsilen zeigt sich – dieses Modell ist aus verschiedenen Gründen reif in die Fläche.
Mit der Elektronischen Arztvernetzung von AOK Baden-Württemberg, Hausärzteverband und MediVerbund besteht die Chance, innerhalb eines Jahres den Rollout mit einer großen Anzahl an Hausärzten durchzuführen.
Aber was ändert sich im Vergleich zum IF-Projekt – welche Chancen und Risiken entstehen für Haus- und Fachärzte, wenn die Versorgungsmodelle in der Transformation aus der analogen in die digitale Welt sich ändern?


Neben üblichen Methoden wie Experteninterviews, Marktrecherchen in Deutschland und im europäischen Ausland und Stakeholderanalyse kamen vor allem nutzerzentrierte Befragungen mit User Journey und modifizierter „Value Proposition Canvas“ (nach Osterwalder) zum Einsatz, um die tatsächlichen Akzeptanzfaktoren von vorneherein in die Projektkonzeption einfließen zu lassen.


Ziel des Projektes Telederm ist es, die Versorgung von Patienten mit Hauterkrankungen in der hausärztlichen Versorgung durch telemedizinische Konsile zu verbessern, die Rolle des Hausarztes als Lotsen zu stärken und nur die dringlichen Fälle in der dermatologischen Praxis zu behandeln. Dafür wird in Hausarztpraxen in Baden-Württemberg ein teledermatologisches Konsilsystem implementiert. Die übermittelten Informationen werden von Dermatologen gesichtet und bewertet. Die Diagnose wird zusammen mit Empfehlungen über das Telekonsilsystem an den Hausarzt wieder zurückgemeldet.


Das Innovationsfond-Projekt Telederm hat gezeigt, dass das Modell der hausärztlich gesteuertem dermatologischen Telekonsile funktioniert, für die Skalierung in die Fläche sind aber vor allem technische und infrastrukturelle Herausforderungen zu stemmen.
Die Elektronische Arztvernetzung bietet IHE-konforme Infrastrukturen an, um bereits elektronische Arztbriefe, Medikationsinformationen (Hauskomet) und elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen über interoperable Datenaustauschformate nach HL7 zu kommunizieren.
Zusätzlich bietet die über 10-jährige Partnerschaft von HÄVG, Mediverbund und AOK Baden-Württemberg die besten Voraussetzungen, um dies auch in der Herstellerlandschaft der Praxisverwaltungssysteme mit 90% Marktabdeckung durchzusetzen.


Besonders ist die bewusste Wahl des „doctor 2 doctor“ Ansatzes. Die Ersterhebung findet beim Hausarzt statt, welcher als Lotse für eine geschulte und qualitative Datenerhebung sorgt. In einer asynchronen Kommunikation wird die Meinung des Dermatologen eingeholt. Diese Art von Konsilform setzt sich viel schneller und pragmatischer durch als aufwändige Videokonsilverfahren, welche zwar den unmittelbaren Direktkontakt simulieren, aber doch sehr aufwändig und nicht für die Anwendung in strukturschwachen Regionen mit mangelndem Breitbandausbau geeignet sind. Für multimorbide und geriatrische Patienten ist und bleibt der Hausarzt zentraler Ansprechpartner und Lotse – auch bei den Telekonsilen.

Trotzdem bleibt spannend, wie Vertragsmodelle, Vergütungsmodell geklärt werden und wer sich im Markt durchsetzt. Die Vision bleibt bestechend -Der Hausarzt in 5 Jahren hat den Experten (Dermatologen) in der "Kitteltasche", er kann auf die Expertise von fachärztlichen Kollegen über Telekonsile zurückgreifen. Im Vergleich zu Videosprechstunden setzen sich Telekonsile (asynchrone Kommunikation) in der Dermatologie besonders schnell durch. Es entsteht ein Zusammenspiel von Hausarzt, Facharzt, Patient und Expertensystem (künstliche Intelligenz).


Akteure

Speaker:
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Thies Eggers, Senior Berater, fbeta GmbH