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Telemedizinische Einbindung von nicht-ärztlichen Berufsgruppen – Schaffung von ärztlichen Ressourcen und Verbesserung der Versorgung

Vortrag

Datum
23. April 2020

Zeit
13:34 - 13:50 Uhr

Ort
_Stage A, Halle 6.2

Telemedizin schafft erweiterte ärztliche Ressourcen, wenn die Szenarien der Versorgung und Vorsorge unter Einbeziehung von nicht-ärztlichen Berufsgruppen abgebildet werden. Ärzte werden entlastet und haben mehr Kapazitäten, um sich auf die Therapie zu fokussieren. Im Vortrag werden erste Projekte vorgestellt, die diesen Weg bereits erfolgreich umsetzen.


Im Projekt em.vision Kataraktversorgung werden unter Einbindung von Optiker in die ärztliche Versorgung von Patienten mit Grauen Star pro Operation bis zu 10 Arzttermine verschiedener Fachbereiche, 5 allein im Kontext der OP, eingespart. Aktuell finden jährlich rund 800.000 Katarakt-OPs in Deutschland statt. Würde überall vernetzt gearbeitet, könnten ca. 3,7 Millionen Termine frei werden. Ein weiteres Projekt, em.vision Risikoanalyse, zeigt, wie dieses Szenario auch im Bereich der Vorsorge übertragen werden kann. Ziel ist es, die Akzeptanz und Präsenz der Telemedizin in der Bevölkerung zu erhöhen und durch die digitale Vernetzung verschiedener Akteure Potenziale in der Gesundheitsversorgung zu heben.


Das Vorhaben basiert auf dem Wissen, dass Bilder der Netzhaut Informationen über Erkrankungsrisiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Altersbedingte Makuladegeneration liefern. Das wurde in 35 internationalen Forschungsarbeiten belegt. Der Optiker ist ein wichtiger Akteur in der präventiven Gesundheitsversorgung: Ein qualifizierter Optiker fertigt mit seiner Kamera hochauflösende Bilder der Netzhaut an und stellt sie über die Patientenakte em.net geschulten Ärzten zur Beurteilung bereit. Intelligente Algorithmen helfen, einen ausführlichen Analysebericht zu erstellen, in dem die Risiken für oben genannte Krankheiten aufbereitet sind. Der Bericht ist Grundlage für das Gespräch beim Haus-/Facharzt sowie Therapieplanung und Vorsorge.


Die Auswertung der Netzhautbilder erfolgt durch deutsche Ärzte und unterliegt dem Schutz fachärztlicher Beratung. Alle Daten werden in Deutschland unter den strengen Vorgaben zur Authentifizierung, Verschlüsselung und Anonymisierung sowie der Telematik-Infrastruktur verarbeitet. Der patientenindividuelle Bericht zeigt nächste mögliche Schritte auf, der Optiker berät seinen Kunden zu den Ergebnissen und übernimmt eine Art Lotsenfunktion: Er begleitet ihn von der Vorsorge bis zur Diagnostik und ggf. OP – gemeinsam mit den Ärzten. Weist sein Kunde ein erhöhtes Risiko auf, vermittelt er ihn an den jeweiligen Haus-/Facharzt. Dieser kann beim Erstkontakt auf der Arbeit des Optikers aufbauen und den Patienten direkt medizinisch betreuen. Optiker telemedizinisch in die Gesundheitsvorsorge einzubinden, entlastet Ärzte und reduziert Wartezeiten auf einen Termin. Sie helfen, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu identifizieren und Risikopatienten einer ärztlichen Behandlung zuzuführen.


Damit digitalisierte Prozesse vorhandene Arbeitsabläufe ablösen und Nutzen entfalten können, müssen v.a. Ärzte über die Möglichkeiten der Telemedizin aufgeklärt werden. Allein im Versorgungsszenario der Augengesundheit hat sich die Teilnehmerzahl seit Dezember 2018 um 60% erhöht. Auswertungen zeigen, dass bei 13% der Kunden unbekannte Erkrankungsrisiken frühzeitig identifiziert und diese einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden konnten. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Einbindung assoziierter Berufe bei vielen Ärzten noch auf Widerstand trifft. Hier bedarf es einer intensiven Aufklärungsarbeit und weitere Projekte, die den Nutzen für den Arzt spürbar machen.

Das Auge ist ein wichtiges Sinnesorgan, das von unterschiedlichen Berufsgruppen bedient wird. Es lohnt sich, einen besonderen Fokus darauf zu setzen. Weitere Ansätze, welche die Vernetzung fördern, aber auch andere Berufsgruppen einbinden, müssen schnell folgen. Mit Neurologie, Orthopädie und Gynäkologie bieten sich die drei Bereiche mit den meisten operativen Eingriffen an, die durch eine Vernetzung mit oder ohne nicht-ärztliche Fachbereiche stark profitieren können und die breite Bevölkerung betreffen.


Akteure

Speaker:
Parasta_Amir

Dr. Amir Parasta, Geschäftsführer, epitop GmbH