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Digitale Gesundheitskompetenz als strategischer Schlüssel zur Gestaltung und Nutzung digitaler Versorgungsangebote

Vortrag

Datum
23. April 2020

Zeit
13:10 - 13:25 Uhr

Ort
_Stage B, Halle 3.2

In der Versorgungswelt von Krankenkassen, in der digital gestützte Informations- und Versorgungsangebote immer wichtigere Bausteine werden, entscheidet die digitale Gesundheitskompetenz der Versicherten mit über Erfolg und Nichterfolg dieser Angebote. Deren gezielte Förderung liegt deshalb im ureigenen Interesse der Krankenkassen – und ist ab 1.1.2020 auch ihr gesetzlicher Auftrag. Als erfolgversprechend erweisen sich dabei Ansätze, in denen Kassen durch ein eng mit den eigenen Anwendungen verbundenes Portfolio situativer Hilfen und subtiler „Nudges“ Versicherte genau im Moment des Kompetenzbedarfs fördern.

Krankenkassen stellen Ihren Versicherten immer breitere Angebote an digitalen Anwendungen und Versorgungslösungen zur Verfügung – vom Versichertenportal über thematische Apps bis hin zur hochkomplexen elektronischen Versichertenakte. Damit Versicherte diese Angebote akzeptieren und in der Breite nutzen, müssen sie diese nicht nur kennen und im technischen Sinne bedienen können. Sie müssen vor allem auch ihre Inhalte zumindest in Grundzügen verstehen und für sich sinnvoll interpretieren können. Voraussetzung dazu ist die in Deutschland unzureichend ausgeprägte individuelle digitale Gesundheitskompetenz. Kranken- und Pflegekassen haben als Ansprechpartner jedes Versicherten großes Potential, diese systematisch zu steigern. Deshalb hat sich die AOK Nordost die Frage gestellt, wie sich eine konsequente und systematisch Förderung der digitalen Gesundheitskompetent schrittweise entwickeln und umsetzen lässt.

Diese Entwicklung erfordert(e) die Verschneidung unterschiedlicher Methoden. Dazu gehören

  • eine empirische Studie zur Identifikation trennscharfer Versichertencluster entlang der Dimensionen Kompetenzbedarf–Lernmotivation–Inhaltsinteressen
  • der Rückgriff auf aktuelle Erkenntnisse zum intermittierenden Erwachsenenlernen im low-engagement Kontext
  • eine agile Prototypenentwicklung


Die Lösungsgestaltung umfasst sechs ineinandergreifenden Leitelemente:

1. Einbeziehung aller Versicherten – ausgehend von individuellen „Startpunkten“

2. Berücksichtigung aller Kompetenzdimensionen: Suchen–Verstehen–Einschätzen–Nutzen (SVEN)

3. Kombination inhaltlicher Schwerpunkte der AOK mit besonderen Interessen der Versicherten

4. Rückgriff auf erwachsenengerechtes, situatives Mikro-Lernen

5. Nutzung vielfältiger Formate in einem modularen Ansatz (d.h. einzelne Kompetenzmodule, die sich flexibel an unterschiedlichen Stellen abrufen lassen)

6. Integration dieser Kompetenzmodule möglichst direkt in die jeweiligen Versorgungslösungen

7. Zusätzliche Motivationssteigerung mit unaufdringlichen „Gamification“-Elementen

Die Kombination dieser Leitelemente führt auch dazu, dass die Kompetenzbildung aus Sicht der Versicherten nicht als explizites Lernprogramm daherkommt (was als Zugangshürde wirken könnte), sondern „Soforthilfecharakter“ mit subtilen „Nudges“ kombiniert.

Die Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz zur Flankierung von Versorgungslösungen ist ein junges Feld. Die ersten Ergebnisse der AOK Nordost, beispielsweise bei der Nutzung digitaler Kompetenzmodule im Bereich Pflege, sind dabei vielversprechend.
Die erfolgreiche Umsetzung basiert dabei auf drei Erfolgsfaktoren: Einem klaren Zielbild und Commitment der Organisation, dem Bewusstsein, dass es nicht um eine umfassende Gesamtlösung an „Tag 1“ geht und dem Willen, sich bei Bedarf außerhalb der z.T. noch recht schwerfälligen digitalen Gesamtsysteme der Kassen zu bewegen.

 

Nach dem erfolgreichen Start arbeitet die AOK Nordost nunmehr an einer Gesundheitskompetenz-Roadmap, auf der sie sich von einfacheren, schnell umsetzbaren Maßnahmen ausgehend mittelfristig zu weiterentwickelten Lösungen hinarbeiten möchte, beispielsweise in der Kompetenzbegleitung im Rahmen von Patient Journeys.

 


Akteure

Speaker:
Graffmann-Weschke_Katharina © AOK Nordost

Dr. med. Katharina Graffmann-Weschke, Leiterin AOK Pflege Akademie, AOK Nordost – Die Gesundheitskasse

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Dr. Marc Lehnen, Geschäftsführender Gesellschafter, revFLect Advisors