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Einsatz des humanoiden Roboters „Pepper“ zur Patientenaufklärung

Vortrag

Datum
22. April 2020

Zeit
14:30 - 16:00 Uhr

Ort
_Stage B, Halle 3.2

Krankenhäuser stehen täglich vor der Herausforderung, Patienten aller Herkunftsländer und Bildungsniveaus über die Risiken komplexer Untersuchungen aufzuklären. Durch bisherige Methoden kann diese Aufgabe oft nicht mehr ausreichend erfüllt werden. Die Umsetzung eines interaktiven Aufklärungsgesprächs auf dem humanoiden Roboter „Pepper“ soll diese Situation in Zukunft verbessern.


Exemplarisch wurde die Vorbereitung auf eine MRT-Untersuchung betrachtet. Bisher wird den Patienten vor der Untersuchung ein schriftlicher Aufklärungsbogen gereicht, der auch persönliche Fragen zur Situation und medizinsichen Vorgeschichte der Patienten enthält. Im Anschluss findet ein persönliches Arztgespräch statt.


Aufgrund der nüchternen Darstellung und verwendeter Fachbegriffe und Fremdwörter ist der Bogen für einige Patienten nur schwer verständlich. Auch die Kommunikation mit den zuständigen Ärzten wird immer häufiger durch sprachliche und kulturelle Barrieren erschwert. Das könnte dazu führen, dass Unsicherheiten und Fragen auf beiden Seiten nicht ausreichend geklärt und Risiken für den Patienten nicht erkannt werden.


Um diese problematische Situation anzugehen, wurde der MRT-Aufklärungsbogen auf Basis der Lesbarkeits-, Leserlichkeits- Verständlichkeitsforschung zunächst ausführlich analysiert. Unter Berücksichtigung der Analyseergebnisse wurde er daraufhin neu verfasst und optisch aufbereitet.


Der optimierte Aufklärungsbogen diente als Grundlage für die weiteren Entwicklungen.


Dabei wurde auf dem humanoiden Kommunikationsroboter „Pepper“ ein interaktives Aufklärungsgespräch umgesetzt, das den schriftlichen Bogen ersetzen und den Patienten zuverlässig auf das folgende Arztgespräch vorbereiten soll. Der Roboter nutzt dabei seine sprachlichen und sensorischen Fähigkeiten, um die Aufklärung individuell auf das Sprachniveau und den Informationsbedarf des Patienten anzupassen.


Die Fragen an den Patienten, die bisher gesammelt am Ende des schriftlichen Aufklärungsbogens aufgeführt sind, werden bei der Aufklärung durch Pepper bereits in das Gespräch integriert. Durch die Interaktion soll einerseits die Aufmerksamkeit des Patienten gehalten und ihm andererseits die Möglichkeit gegeben werden, den Zusammenhang und Grund für die Frage zu nachzuvollziehen.
Ziel ist es auch, dem Patienten nur die Informationen zu geben, die ihn betreffen, indem Angaben des Patienten, beispielsweise zu seinem Geschlecht, bestimmte Informationen, wie die zu einer möglichen Schwangerschaft, automatisch miteinbeziehen oder ausschließen.
Der Roboter verfügt über ein Tablet, das genutzt wird, um das Aufklärungsgespräch durch entsprechendes Bild- und Videomaterial visuell zu begleiten. Außerdem bietet es dem Patienten eine weitere intuitive Möglichkeit der Interaktion, beispielsweise um sich über Info-Buttons Fachbegriffe erklären zu lassen.


Mit den Angaben des Patienten wird der tabellarische Fragebogen, der später von Patient und Arzt unterschrieben werden soll, automatisch ausgefüllt.


Da für den Roboter über 20 Sprachmodule verfügbar sind, kann das Gespräch ohne viel Aufwand an weitere Sprach- und Kulturräume angepasst werden und so auch Patienten mit geringen Deutschkenntnissen sicher aufklären. In diesen Fällen werden die Angaben des Patienten sowohl in seiner Muttersprache als auch in Deutsch protokolliert.


Die Kommunikation über verschiedene Kanäle soll das Verständnis des Patienten bei der Aufklärung positiv beeinflussen. So sollen Risiken minimiert und das Sicherheitsgefühl des Patienten gestärkt werden. Der Arzt kann von einem gewissen Informationsstand des Patienten ausgehen und so seine Zeit effizienter nutzen.

Das Konzept wurde von Usability-Experten sowie Medizinern verschiedener Sektoren als sehr interessant und langfristig realistisch beurteilt. Es soll zukünftig in Richtung eines zertifizierten Medizinproduktes weiterentwickelt werden.


Akteure

Speaker:
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Dr. Friedrich-Carl Schaefer, Geschäftsführer, CleverGuides GmbH