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Nutzung der elektronischen FallAkte in NRW

Vortrag

Datum
21. April 2020

Zeit
16:50 - 17:10 Uhr

Ort
_Stage B, Halle 3.2

Im Projekt I/E-Health NRW wurden existierende Kommunikationssysteme so zu einer sektorenübergreifenden Kommunikationsinfrastruktur integriert, dass intersektorale Kooperationen zwischen Leistungserbringern unterschiedlicher Disziplinen und Professionen durch einfachen und schnellen Informationsaustausch unterstützt werden können. Die Kommunikation erfolgt weitgehend direkt aus den angeschlossenen Primärsystemen (KIS, PVS) heraus, so dass der Nutzer seine gewohnte Anwendung nicht zu verlassen braucht. Die durchgehende Verwendung von Standards erlaubt es allen SW-Anbietern, sich an das System anzuschließen. Beispielhaft wurde das System u.a. in der intersektoralen und professionsübergreifenden Kooperation zur Behandlung an Demenz Erkrankter im GG.WML (Gesundheitsnetzwerk Gemeinsam WestMünsterLand e. V.) zum Einsatz gebracht.

Die enge Kooperation von Leistungsbringern erfordert einen schnellen, sicheren und einfachen Informationsaustausch zwischen allen an der Behandlung eines Patienten Beteiligten. Das beginnt bei der Übermittlung von Einweisungs- resp. Entlassunterlagen zwischen Klinik und Niedergelassenen oder der Information des Facharztes an den behandelnden Hausarzt, ist aber noch relevanter, wenn es um die ganzheitliche Sicht auf einen Patienten geht, in die ggf. Ärzte verschiedener Fachrichtungen aus dem ambulanten und dem niedergelassenen Bereich sowie weitere Heilberufler, die aus ihrer speziellen Perspektive evtl. einen anderen Einblick in das Befinden des Patienten haben (z.B. Ergo- oder Physiotherapeuten), einbezogen werden. Existierende Kommunikationssysteme können diesen Bedarf höchstens innerhalb einer geschlossenen Nutzergruppe erfüllen.

Als Grundlage für den Informationsaustausch wurde im Projekt I/E-Health NRW die Elektronische Fallakte (EFA 2.0) und – als Brücke in die PVS – die im niedergelassenen Bereich gängige Kommunikationsinfrastruktur KV-Connect gewählt. EFA 2.0 basiert auf international anerkannten IHE-Standards mit XDS als Kern. Für die Authentifizierung der Nutzer wird so weit wie möglich auf die originären Benutzerverwaltungen in den KIS und KV-Connect zurückgegriffen („Identity Provider“). Ein HPD führt als Verzeichnisdienst die Nutzer aus den verschiedenen Quellen zusammen. 

Im Projekt wird die intersektorale elektronische Kommunikation in vier Modellregionen anhand der Versorgungsszenarien Demenz, Geriatrie, Pädiatrie und Notfall-Pflege-Akte erprobt. Beispielhaft soll das Demenz-Szenario im Vortrag vorgestellt werden. Die Integration in den Arbeitsalltag erfolgt durch eine tiefe Integration in Krankenhaus- und Praxisverwaltungssysteme (KIS, PVS). Im Projekt wurden beispielhaft fünf PVS und zwei KIS angebunden. Zusätzlich erlaubt eine Web-Anwendung den Zugriff auf die Fallakte für alle Gesundheitsdienstleister ohne passendes Primärsystem. 

Der Einsatz des beschriebenen Systems erleichtert die Arzt-zu Arzt-Kommunikation enorm und ermöglicht Versorgungsmodelle, die ohne entsprechende Unterstützung nicht handhabbar sind. Dies zeigt z.B. das Demenz-Szenario, dessen Umsetzung zunächst papierbasiert begonnen wurde. Die Einbeziehung von Systemen diverser Hersteller auf allen Ebenen erforderte eine sorgsame Einhaltung des Standards. Bei der Umsetzung der Anwendungsfälle hat sich gezeigt, dass der EFA-Standard in manchen Punkten erweitert werden musste, um dringend benötigte Features wie einen Benachrichtigungsdienst oder Offline-Token anbieten zu können. 

Eine weitergehende Behandlung strukturierter Daten ist in Planung. Dies setzt jedoch eine noch stärkere Standardisierung der Datenverarbeitung in allen angeschlossenen Systemen voraus. Anpassungen und Konkretisierungen, die den EFA 2.0-Standard betreffen, werden als Change-Request in die Standardisierungsarbeit zurückgegeben.

Akteure

Speaker:
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Dr. Rainer Fehling, Projektmanager, Digital Healthcare NRW e. V.

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Martina Schrage, Geschäftsführerin, Gesundheitsnetz Gemeinsam Westmünsterland e.V.