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Press Release

10. April 2019

„KI made in Germany, besser noch: made in Europe“

Natürlich ist Datenschutz wichtig, betonte Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, in ihrer Keynote auf der DMEA. Aber Deutschland brauche beim Thema Digital Health mehr Mut, um die enormen Chancen digitaler Anwendungen in der Medizin zu nutzen und das Leben für chronisch Kranke, Pflegebedürftige und alte Menschen zu erleichtern.

Der Nutzen digitaler Anwendungen liege eigentlich auf der Hand, und doch komme Deutschland vergleichsweise langsam voran. Erst am Vortag habe sie sich mit dem stellvertretenden Wirtschaftsminister von Neuseeland unterhalten, berichtete Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt in ihrer Keynote. Er habe ihr seinen persönlichen „Digital Health Index“ gezeigt – mit all seinen Daten, ohne Opt-out-Feature und im Falle eines Unfalls mit voller Datentransparenz für alle Beteiligten. Datenschutz? Wieso, die Daten seien doch sicher, sagte er ihr, und im Zweifel sei ihm seine Gesundheit wichtiger.

Ein bisschen mehr von dieser Einstellung würde sie sich auch für Deutschland wünschen, sagte Bär. „Wir haben schon so viel geredet, ich würde mir wünschen, dass wir ein bisschen mehr in die Anwendung kommen.“ Natürlich sei der Datenschutz wichtig, aber sie hoffe auf mehr Mut für Neues. Vielleicht brauche es dafür „ein anderes Mindset“ und die Bereitschaft, sich bei aller Vorsicht „mehr auf die positiven Dinge“ einzulassen.

Denn gerade für chronisch Kranke, etwa Diabetiker, Pflegebedürftige und alte Menschen berge die digitale Medizin enorme Chancen: Mit einer Digitalisierung von Haushalten durch intelligente Sensorfußmatten oder automatische Herdabschaltung könnten Menschen länger in den eigenen vier Wänden leben. Stimmenanalyse helfe, Sturzgefahr und Schlaganfallrisiko zu erkennen. Künstliche Intelligenz könne die Diagnostik verbessern, Ärzte entlasten und Patienten bei der optimalen Medikation unterstützen.

Gerade in der Medizin sei es also im Grunde einfach, die Menschen von den Vorteilen der Digitalisierung zu überzeugen. Trotzdem begegne ihr oft Skepsis – vor allem bei Menschen, die nicht selbst betroffen sind. Dabei sei ihr wichtig, „dass wir als Deutsche und als Europäer die Gestalter sind, dass wir an der Künstlichen Intelligenz mitarbeiten“, sagte Bär. Deutschland habe einen Vorteil: „Wir haben eine Datenethikkommission ins Leben gerufen.“ Diese hinterfrage, ob alles umgesetzt werden muss, was technisch möglich ist. Das sei anders als in China, „wo vielleicht nicht der Mensch im Mittelpunkt steht“: „Wir haben hier die Chance, dass wir Standards setzen können.“ Mit ein bisschen mehr Mut und Vertrauen habe Deutschland gute Möglichkeiten. „Das wünsche ich mir: Künstliche Intelligenz, Made in Germany, besser noch: Made in Europe.“