„Endlich weg von den Silos“
Digitalisierung zu Ende denken – das ist das Motto der Deutschen Telekom bei der DMEA 2026. Gottfried Ludewig, Chef der globalen T-Systems Gesundheitssparte und Leiter Public Sector Deutsche Telekom,

Dr. Gottfried Ludewig im DMEA-Interview. Foto: Telekom
Die neue Digitalstrategie für das deutsche Gesundheitswesen setzt auf „digital vor ambulant vor stationär“. Die Deutsche Telekom auch?
Aus unserer Sicht springt der Slogan zu kurz. Er klingt so, als würden die bisherigen Versorgungssilos, das ambulante und das stationäre Gesundheitswesen, um ein drittes, digitales Silo ergänzt. Genau das darf aber nicht passieren. Wir müssen endlich weg von den Silos und alle Bereiche des Gesundheitswesens digital und vernetzt denken. Nur dann entsteht Mehrwert für alle Beteiligten – allen voran für Patientinnen und Patienten. Und wir müssen Prävention zwingend mitdenken. Prävention findet im deutschen Gesundheitswesen bisher so gut wie gar nicht statt, obwohl das Gesundheitssystem enorm entlastet werden würde und jeder gesünder leben könnte.
Wie kann die Deutsche Telekom beim Einreißen der Silos unterstützen?
Die Grundvoraussetzung für ein digitalisiertes Ökosystem ist eine leistungsfähige und sichere Infrastruktur. Manche glauben, dass die KI im Smartphone stattfindet. Ohne hochleistungsfähige KI-Rechenzentren ist das nur ein blinkendes Nichts. Daher muss ein wirkliches Umdenken stattfinden: Moderne Medizin braucht diese Infrastruktur und nicht einen Serverschrank im Keller eines Klinikums. Wenn wir das verstehen und angehen, schaffen wir eine leistungsfähige Zukunftsmedizin, die zugleich Daten auf höchsten Sicherheitsniveau zusammenführt. Mit dieser Infrastruktur können wir Daten sinnvoll zusammenzuführen. Und zwar dank KI aus bestehenden Systemen und jeglichem Format. Mit unserer Datenplattform von synedra – unserem Neuling in der Telekom-Familie – wird genau dies möglich. Die Plattform feiert in diesem Jahr ihre DMEA-Premiere. Wir werden auch konkrete Krankenhausprojekte vorstellen.
Der Strukturwandel bei den Krankenhäusern ist in vollem Gange, hinterlegt durch den Krankenhaustransformationsfonds (KHTF). Was empfehlen Sie Krankenhauskunden?
Entscheidend ist: Die KHTF-Förderung darf nicht nur der Betontransformation dienen. Es muss darum gehen, Versorgungsstrukturen neu aufzubauen. Ein riesiges Potenzial sehen wir bei Telekonsilien. Die können helfen, den Strukturwandel vor allem im ländlichen Bereich sinnvoller zu gestalten. Ziel muss es sein, diagnostische und therapeutische Leistungen in regionalen oder auch überregionalen, digital eng vernetzten Clustern zur Verfügung zu stellen – ohne ständig den Patienten zu bewegen.
Was braucht es dafür?
Digital hinterlegte Versorgungsstrukturen brauchen leistungsfähige Daten- und Telemedizinplattformen. Und die wiederum brauchen zum Beispiel redundante Glasfaseranbindungen und zuverlässige, sichere 5G Campus-Netze. Wir haben die komplette Basisinfrastruktur im Portfolio und können mit eigenen Lösungen darauf aufsetzen – von der Datenplattform über neuartige Cybersecurity-Lösungen für Klinikarbeitsplätze bis hin zu TI-Connect, unserem Software-Konnektor, mit dem wir die Hardware-Ära bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur endgültig verabschieden. Dabei haben wir nie den Anspruch, alles selbst machen zu müssen. Wir glauben nicht an Monolithen oder geschlossene Systeme, sondern an offene innovationsfreundliche Ökosysteme.
Mit digitalen Identitäten für Patienten und Angehörige von Heilberufen bietet die Telekom eine weitere wichtige Komponente digitaler Ökosysteme an. Werden diese digitalen Gesundheits-IDs künftig Teil der europäische EUDI-Wallet sein, die bis Ende 2026 aufgebaut wird?
Bei digitalen Identitäten ist das Gesundheitswesen ausnahmsweise ein Vorreiter. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass die Architektur der digitalen Identitäten, die wir für Krankenkassen umgesetzt haben, zur EUDI-Wallet-Architektur auf europäischer Ebene passt. Wir sind bei der Entwicklung von EUDI Wallet-Use Cases und bei der Anbindung von Relying Parties, den sogenannten Verifiern, im Gesundheitswesen ein zentraler Akteur. Die elektronische Gesundheitskarte wird zukünftig in der EUDI-Wallet gespeichert sein und man wird die GesundheitsIDs auch auf Basis der Digitalen Identität aus der EUDI-Wallet erzeugen können. Die EUDI-Wallet ist ein Zukunftsprojekt mit Strahlkraft und wird den Zugang zum Gesundheitswesen massiv vereinfachen. Bei der DMEA zeigen wir das anhand von Projekten, bei denen die EUDI-Wallet mit der Digitalen Identität und der eGK für den Check In zum Beispiel im Krankenhaus genutzt werden kann.
Nochmal konkret zur diesjährigen DMEA: Was werden Sie am Stand der Deutschen Telekom besonders in den Vordergrund rücken?
Wir zeigen unter anderem unsere Synedra-Datenplattform, wir zeigen KI-Anwendungen für den Schockraum in der Notaufnahme, Infrastrukturkomponenten wie TI-Connect und neue Anwendungen für die GesundheitsID und EUDI-Wallet. Vor allem aber wollen wir an unserem Stand die Ende-zu-Ende-Digitalisierung im Gesundheitswesen greifbar machen – von der Prävention bis zur Notfallversorgung im Krankenhaus oder von der Antragsstellung bis zur Genehmigung im Kassenwesen. Wer Interesse daran hat, von Konnektivität über Infrastruktur bis KI-Anwendung das Gesamtbild eines digitalen Gesundheitsökosystems zu sehen, der ist bei uns genau richtig.