Veranstalter:
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Messe Berlin
DMEA - Connecting Digital Health
21-23 APR 2026
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Digitalisierung im Gesundheitswesen: Geschwindigkeit ist nicht alles

Auf einem Panel auf der DMEA in Berlin sprachen Vertreter:innen von Krankenkassen, ärztlicher Selbstverwaltung, Kliniken und Politik über Digitalisierung im Spannungsfeld von Tempo und Qualität.

Fünf Personen beim Panelgespräch auf einer Bühne der DMEA 2026, im Vordergrund ist Publikum zu sehen.

Foto: Messe Berlin

Mit gesetzlichen Fristen macht die Politik Tempo bei der Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben. Aber führt Zeitdruck auch zu guten Ergebnissen? KBV-Vorständin Dr. Sibylle Steiner bezeichnete die ambulante Versorgung als den am besten digitalisierten Sektor im Gesundheitswesen. E-Rezept oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) seien inzwischen im Praxisalltag angekommen.

Dennoch halte die Technik oftmals der Versorgungsstruktur nicht stand. Probleme mit einer instabilen Telematikinfrastruktur und Medienbrüche belasteten niedergelassene Mediziner:innen. Sie beklagte außerdem Hürden beim Wechsel des Anbieters des Praxisverwaltungssystems (PVS) und hofft, dass Verpflichtungen der Hersteller auf interoperable Lösungen dem entgegenwirken können. Digitale Anwendungen müssen ihrer Ansicht nach gut funktionieren statt schnell. Pilotphasen wie bei der elektronischen Patientenakte seien sinnvoll, um ausgereifte Lösungen in die Breite zu bringen.

Krankenhäuser mitdenken

Prof. Dr. Henriette Neumeyer wünscht sich, dass Krankenhäuser frühzeitig in Digitalisierungsentscheidungen einbezogen und nicht als „große Praxen“ behandelt werden. Die Abläufe seien komplexer als in der ambulanten Versorgung, weshalb es eigene Lösung brauche.

Sie wünscht sich eine bessere Kommunikation mit den Krankenhäusern und sieht diesbezüglich Potential bei der ePA. Die zunehmende Digitalisierung der Kliniken sieht sie auch als Chance das Berichtswesen und interne Prozesse zu hinterfragen: Welche Daten sind wirklich wichtig und was kann weg?

Dr. Martin Krasney vom GKV-Spitzenverband bewertet Fristen als Orientierung positiv. Zugleich bräuchte die ärztliche Selbstverwaltung Freiheiten und flexible Lösungen. Zu viel Perfektionismus führe dazu, dass Lösungen schnell zerredet werden. Den nächsten wichtigen Schritt sieht er darin, die ePA „KI ready“ zu bekommen. Die Krankenkassen nutzten die Technologie bereits für die Antragsbearbeitung und möchte sie künftig bei der Auswertung von Daten einsetzen.

Gemeinsame Visionen entwickeln

Sebastian Zilch verteidigte die ambitionierten Zeitpläne seines Ministeriums. Man habe funktionierende Mechanismen entwickelt, mit denen auf Herausforderungen in der Praxis reagiert werden könne. In seinen Augen müssten der Zeitpläne ambitioniert sein, zugleich sollten Anwendungen funktionieren. Es brauche eine gemeinsame Vision der Digitalstrategie, die von allen Beteiligten mitgetragen werde.

Telematikinfrastruktur, Kongress, Gesundheitswesen, Gesundheitsversorgung, Digitalisierung
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