Veranstalter:
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Messe Berlin
DMEA - Connecting Digital Health
21-23 APR 2026
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Wie Falschinformationen die Gesundheitskompetenz untergraben

Der Notfallsanitäter Luis Teichmann sprach auf der DMEA über Falschinformationen in den sozialen Netzwerken. Dem etwas entgegenzusetzen, sei die Aufgabe von medizinischem Fachpersonal.

Luis Teichmann spricht auf der Bühne vor einem großen Publikum.

Foto: Messe Berlin

Ein supersaurer Kaugummi bei Panikattacken? Was in einem TikTok-Reel mit mehr als drei Millionen Aufrufen als Therapie angepriesen wird, hat nichts mit der medizinischen Leitlinie zu tun. Das Video unterschlage anerkannte Verfahren wie Verhaltenstherapie oder Entspannungstechniken, betonte Luis Teichmann in seiner Keynote auf der DMEA in Berlin. Der Rettungsingenieur, Content Creator und Autor des Spiegel-Bestsellers „Sind wir noch zu retten?“ warnte vor einer sinkenden Gesundheitskompetenz angesichts von Falschinformationen in den sozialen Medien.

Seine These untermauerte Teichmann mit Zahlen: 51,9 Prozent der Deutschen hätten Schwierigkeiten, Informationen über psychische Probleme zu finden. Fast drei Viertel könnten vertrauenswürdige Informationen nicht von falschen unterscheiden. Rund 70 Prozent fühlten sich nicht in der Lage die Vor- und Nachteile von Behandlungsmöglichkeiten auszumachen. Das führte zu gesundheitsgefährdendem Verhalten wie zum Beispiel einem Rückgang der Impfbereitschaft.

Mit der Wahrheit gegen Fake News

Zwar produzierten unter anderem Programme der Öffentlich-Rechtlichen sogenannte Reactions auf medizinische Fake News, sie bekämen aber oft weniger Klicks als die ursprünglichen Videos. Schuld am Erfolg von Fehlinformationen sei laut Teichmann die menschliche Lust am Außergewöhnlichen. Eine seltene Nebenwirkung bringe mehr Klicks als die ausgewogene wissenschaftliche Berichterstattung. Besonders deutlich zeigte sich das während der Corona-Pandemie: Laut der WHO waren 60 Prozent der in den sozialen Medien verbreiteten Informationen zu Covid-19 falsch.

Teichmann forderte Unikliniken, Forschungsinstitutionen und andere medizinische Versorger auf, eigenen, faktenbasiertem Content ins Netz zu stellen. Agieren statt reagieren, lautet seine Devise. Aus diesem Grund hat er den Verein „Blaulicht für Blaulicht“ gegründet, der Rettungshelfer:innen nach tragischen Einsätzen psychotherapeutische Hilfe anbietet – und das ganz ohne saure Kaugummis.

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