Wie Technologie in der Praxis ankommt
Anhand von Praxisbeispielen zeigte ein Panel mit Vertreter:innen der Industrie und Fachkräften aus Kliniken auf der DMEA, wie technische Lösungen den Weg in die Versorgung finden.

Foto: Messe Berlin
Für viele medizinische Fachkräfte gehört das Dokumentieren zu den eher ungeliebten Aufgaben. Während KI-Anwendungen bereits im privaten Alltag angekommen sind, werden sie in der Versorgung noch kritisch betrachtet. Die Universitätsmedizin Greifswald hat mit Unterstützung der Meierhofer AG als Proof of Concept die KI-gestützte Dokumentation eingeführt. Sie erstellt aus vorhandenen Informationen zur Krankheitsgeschichte einen „Medical Summery“. Das Tool kann aber auch Arztbriefe schreiben aus den vorliegenden Dokumenten.
Eva Bittner, Projektmanagerin bei der Meierhofer AG, und Elizaveta Beeck, Consultant Medizinische Prozesse bei der Asklepios Service IT, wiesen auf die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen hin, die vor einer Implementierung von KI-Anwendungen im Krankenhaus zu beachten sind. Zugleich gelte es, auf den gelebten Prozess zu schauen, um zu verstehen wie gearbeitet wird. Letztlich bleibe der Mensch die letzte Instanz, um medizinische Entscheidungen zu treffen.
Die Menschen mitnehmen
Für Lina Ziwes, Projektleiterin bei der eHealth.Business GmbH, und Dr. Christian Schöps, Team Lead Digitales Krankenhaus im Hamburger Albertinen-Krankenhaus ist die digitale Transformation auch ein Kulturthema. Es ginge darum Prozesse zu verstehen, Menschen zu befähigen, zu begleiten und Technologien zu verankern. Zeigten sie sich im Privaten durchaus technologieaffin, seien sie im Beruflichen oft überfordert. Veränderung werden als Unsicherheiten empfunden. Umso wichtiger sei es, Prozesse erst zu hinterfragen bevor man sie digitalisiere, um einen konkreten Mehrwert zu schaffen. Um Mitarbeitende an neue Lösungen heranzuführen, habe man das die Lernplattform „Digitalisierungsbotschaft“ entwickelt. Sie bietet „Lernreisen“ zu unterschiedlichen Fachbereichen. Wer sie erfolgreich durchlaufen hat, erhält ein Zertifikat. Denn letztlich beginne Transformation im Kopf und bei jedem Einzelnen.
Per VR-Brille in die Zukunft
Um die Vermittlung neuer Technologien geht es auch Aleksi Komu und Andreas Fischer von ThingLink. In ihrer Keynote zu „Context-Aware Spatial Learning in Healthcare“ stellten sie ihre Technologie vor, mit der sich komplexe medizinische Geräte per VR-Brille erklären lassen. Das Tool lässt sich einfach mit dem Handy programmieren und mit eigenen Anweisungen versehen. Statt unübersichtliche Manuals erhalten die Mitarbeitenden eine praxisnahe Erklärung. Kund:innen wie der NHS konnten mit dem Tool den Schulungsaufwand deutlich reduzieren.
Den Patienten in den Fokus nimmt der gemeinnützige Verein Human IQ. Er bringt Senior:innen mit Studierenden zusammen, damit sie gemeinsam Digitale Pflegeanwendungen (DiPas) entwickeln. Wie Dirk Schommertz, Leiter der Human IQ Akademie, möchte durch ein klares UX-Design den Betroffenen helfen, die Anwendungen zu unterstützen. Begleitet wird das Projekt von Geragogen der Universität Hamburg, die sich mit dem Lernen im Alter beschäftigen. Aktuell sucht der Verein Partner:innen, um seine Idee skalieren zu können.