„Das System muss so gut werden wie die Menschen, die uns versorgen.“
In seiner Keynote auf der DMEA verglich gematik-Geschäftsführer Dr. Florian Fuhrmann das Gesundheitssystem mit einem Orchester. Nur, wenn alle optimal zusammenspielen, erzeugt es einen Wohlklang.

Keynote Dr. Florian Fuhrmann. Foto Messe Berlin
Florian Fuhrmann nimmt einen Missklang im Gesundheitssystem wahr. Man habe verlernt gemeinsam zu spielen, viele Prozesse seinen ineffizient. Von der Finanzverwaltung hieße es deshalb: So geht es nicht weiter, ein Systemwechsel ist nötig.
In dieser Situation sei die Versorgungssteuerung von einer Patient:innen- zur Ressourcensteuerung geworden. Vieles hätte sich verändert: Patient:innen seien digitaler, informierter und selbstbewusster. Aber auch Therapien hätten sich weiterentwickelt. Multiprofessionelle und sehr gut ausgebildete Fachkräfte arbeiteten zusammen, unterstützt durch neue Software und Technologien, zum Beispiel aus der Telemedizin.
Starre Strukturen verhindern Wandel
Trotz dieser Dynamik sieht Fuhrmann ein Problem in starren Strukturen der Gesundheitsversorgung. Sie verhinderten, dass Innovationen Fuß fassten, beispielsweise durch Datensilos oder durch Fachkräfte, die durch redundante Untersuchungen überlastet sind. Dabei hätte man den Patient:innen als aktiven Faktor in der Versorgung noch nicht ausreichend erkannt. Die Digitalisierung sei ein Katalysator, um die Versorgung ins neue Jahrzehnt zu bringen.
Wer steuert nun am besten die Versorgung? Die Politik kann laut Fuhrmann zwar Rechtssicherheit geben. Sie denke allerdings in Wahlzyklen und sei ideologisch geprägt. Die Selbstverwaltung als „Maschinenraum der Versorgung“ sei nah dran und könne schnell agieren. Allerdings spräche sie selten mit einer Stimme, sodass gemeinsame Lösungen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen würden. Die Digitalisierung sei zwar objektiv und gerecht, könne Muster schnell erkennen und Sektorgrenzen überwinden. Sie ist aber nur so gut wie die Daten, die sie bekommt.
Gemeinsame Lösungen finden
Fuhrmanns Fazit lautet daher: Niemand sollte die Versorgungssteuerung allein übernehmen. Politische Leitlinien, Praxisnähe und digitale Intelligenz seien gleichermaßen gefragt. Zugleich müssten sich Leistungserbringer ebenso wie Patient:innen steuern lassen.
Und die Rolle der gematik? Fuhrmann sieht sie nicht in der Position wie ein Dirigent zu steuern, sondern zu ermöglichen, dass zusammengespielt werden kann: ein verlässlicher Partner für die Industrie. Sie steht in der Orchester-Analogie wie ein:e Techniker:in hinter der Bühne, braucht Governance und Stabilität, um Komplexität zu reduzieren. Die gematik steuere nicht, was auf der Gesundheitsbühne gespielt werde, sondern schafft die Voraussetzung, dass gespielt werden kann. Sein Wunsch für die Zukunft: „Das System muss so gut werden wie die Menschen, die uns darin versorgen.“