Fundierte Unterstützung bei SAP-Ablöse und Cloud-Betrieb
Wer als Krankenhaus in Umbruchzeiten bestehen will, braucht ein leistungsfähiges Klinikinformationssystem, sagt Matthias Meierhofer. Er empfiehlt: Nicht von Power-Points blenden lassen.
_edited_mmobile.jpg&w=1920&q=75)
Matthias Meierhofer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Meierhofer AG
Wir leben in spannenden Zeiten: Der Strukturwandel bei den Krankenhäusern ist im Gange, und auch bei den Krankenhausinformationssystemen (KIS) ist der Markt in Bewegung. Was heißt das für die Meierhofer AG, einem der KIS-Marktführer im deutschsprachigen Raum?
Wir sehen einerseits eine Krankenhauslandschaft, die sich mit Veränderung immer noch schwertut. Gleichzeitig gibt es wegen der Abkündigung wichtiger SAP-Lösungen auf KIS-Seite einen enormen Erneuerungsbedarf. Parallel ziehen auch auf regulatorischer Seite die Anforderungen an – was nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für KIS-Hersteller eine enorme Herausforderung ist. Für uns als Meierhofer AG ist das eine Phase, in der wir unsere Stärken ausspielen können: über 40 Jahre Markterfahrung, ein modular aufgebautes KIS, das ein breites Spektrum an Anforderungen abdeckt, und ein tiefes Verständnis für klinische Prozesse. Wir begleiten Krankenhäuser nicht nur durch diesen Wandel – wir helfen ihnen, ihn aktiv zu gestalten und beraten sie beim Vorgehen. Heute reicht es nicht mehr aus, IT Systeme einfach nur bereitzustellen. Krankenhäuser brauchen einen Partner, der den Markt ganzheitlich versteht und die komplexen regulatorischen Anforderungen sicher beherrscht. Genau hier liegt unser Fokus: Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten Prozess hinweg – von der erfolgreichen Umsetzung über Stabilität und verlässlichen Betrieb bis hin zur kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Lösungen.
Wie ist die Rolle des KIS in einer Krankenhauslandschaft, die intersektoraler werden soll? Bleibt es das das zentrale System, das es lange Zeit war?
Das KIS wird sich hin zu einem stark orchestrierenden und prozesssteuernden Instrument wandeln, weg von der reinen Dokumentation. Natürlich kann man sagen, dass Clinical Data Repositories zunehmend Daten zur Verfügung stellen. Aber das KIS wird nicht überflüssig. Gerade die intersektoralen Szenarien geben den „Primärsystemen“, wie man so schön sagt, eine enorm hohe Bedeutung, sowohl was die Prozesse als auch was die Abrechnung angeht.
Aktuell müssen viele Krankenhäuser ihre SAP-Systeme ablösen. Neben etablierten Unternehmen aus Deutschland scharren internationale Akteure und neue Anbieter mit den Hufen. Worauf sollten die Krankenhäuser achten? Und wie kann die Meierhofer AG helfen?
Die Ablösung von SAP IS-H wird ein zentrales DMEA-Thema sein. Unsere Botschaft lautet: Wir haben enorm viel Erfahrung mit SAP-Produkten und können die Transformation weg von SAP umfassend unterstützen. Das gilt für IS-H und auch z.B. für S/4Hana. Unser Angebot ist neben der Ablösung von IS-H auch eine komplette Migration auf unser M-KIS, das alle klinischen Prozesse abbildet und bis hin zur Abrechnung auch alle administrativen Prozesse unterstützt, die ein Krankenhaus heute und in Zukunft benötigt. Dass wir das können, haben wir bereits bewiesen. Seit Herbst 2024 haben wir unsere neu entwickelte, SaaS-fähige Lösung für Patientenmanagement und Abrechnung bei mehreren Kunden produktiv im Einsatz.
Was neue Anbieter angeht: Das hängt so ein bisschen davon ab, wie experimentierfreudig ein Krankenhaus ist. Wir empfehlen, darauf zu achten, dass der Anbieter ein leistungsfähiges, nutzerfreundliches System anbieten kann, das die Anforderungen auch wirklich erfüllt – im realen Leben, nicht nur auf Power-Point-Slides. Und natürlich sollten die regulatorischen Vorgaben vollumfänglich umgesetzt werden. Denn sonst läuft man Gefahr, Dinge extra einkaufen zu müssen. Wenn Vollständigkeit wichtig ist, dann wird die Entscheidung eher nicht experimentierfreudig ausfallen. Wovon wir in jedem Fall abraten würden, ist, sich darauf zu verlassen, dass sich das Thema IS-H Migration von selbst löst. Da ist schon aktives Handeln gefragt. Denn die IS-H-Ablöse ist mehr als nur eine IT-Migration. Sie ist eine strategische Prozess- und Betriebsentscheidung. Patientenmanagement und Abrechnung sind betriebs- und erlösrelevant. Die Kernprozesse müssen stabil laufen. Der Wechsel ist eine Chance, gemeinsam mit den Häusern Prozesse neu zu denken, zu optimieren und direkt aus der Versorgung heraus zu gestalten. Wir gehen dabei bewusst den KIS-integrierten Weg.
Politisch wird die DMEA unter anderem im Zeichen der neuen Digitalstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit stehen. Dort wird die Bedeutung von Telematikinfrastruktur (TI) und elektronischer Patientenakte (ePA) stark betont. Sind Ihre Lösungen darauf vorbereitet?
Wir waren bei der TI-Anbindung im Klinikbereich immer einer der ersten, und das bleibt auch so. Die TI-Anbindung ist für Krankenhäuser nicht zuletzt bei einrichtungsübergreifenden Prozessen relevant. Als Unternehmen mit viel Erfahrung mit Klinikketten und Krankenhausverbünden können wir da fundiert beraten. Wir bieten auch TI-unterstützende Lösungen, die bei der DMEA zu sehen sein werden. Das ganze Thema sektorenübergreifende Kommunikation mit und ohne TI sehen wir als unsere Aufgabe an, auch deswegen, weil sich sonst keiner drum kümmert. Die KBV fokussiert auf ambulante Prozesse, die DKG auf stationäre. Der dazwischenliegende Bereich liegt brach. Wir können und wollen diesen Aufgabenbereich bearbeiten.
Ein zweites prominentes Thema in der Digitalstrategie ist künstliche Intelligenz (KI). Wo setzen Meierhofer-Lösungen schon heute KI ein?
Mit strukturierten Daten und klinischen Algorithmen arbeiten wir schon lange. Aktuelle KI-Themen im Zusammenhang mit Large-Language-Modellen sind Patient Summary und Arztbriefschreibung. Das wird stark nachgefragt, und das werden wir auf der DMEA auch zeigen. Unser KI-gestützte Chatbot hilft, Module anzusteuern und Fragen zu beantworten – wie ein smarter Assistent im Klinikalltag. Administrative Prozesse unterstützen beispielsweise wir durch einen OCR-Dokumentenscan und automatisierte Ableitungen. Unser Anspruch ist klar: Pflege und Ärzteschaft sollen echte Zeitersparnis erfahren, indem Routine‑ und Dokumentationsaufgaben reduziert werden. Die so gewonnene Zeit soll direkt den Patient*innen zugutekommen. Dafür bringen wir ein breites Portfolio an KI‑gestützten Lösungen mit. Insgesamt ist beim Thema KI noch viel Dynamik drin, zumindest teilweise hängen da ja auch Zulassungsverfahren dran.
Zurück zu dem Kernprodukt der Meierhofer AG: Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Klinikinformationssystem M-KIS zukunftsfähig bleibt?
Drei zentrale Bereiche, in denen wir unser M-KIS weiterentwickeln, sind Betrieb, Security und Interoperabilität. Der Cloud-Betrieb von KIS-Systemen oder Teilen davon wird zunehmend eingefordert. Technologisch ist unser Produkt darauf vorbereitet. M-KIS ist Container-basiert und SaaS-fähig. Bei unseren Kunden kommen insbesondere die downtime-freien Updates einzelner Lösungen bereits jetzt spürbar im Betrieb an. Was die Umsetzung angeht, geht es heute nicht mehr nur um klassische Managed-Service-Implementierungen auf Basis einer lokalen Cloud, sondern zunehmend auch um den Betrieb bei Hyperscalern. Zu den Vorteilen von Cloud-basierten Architekturen zählt, dass sich Security-Anforderungen und auch maximale Verfügbarkeit besser umsetzen lassen. Hier setzen wir auf die geforderten Zero-Trust Sicherheitskonzepte für Ausfallsicherheit und zum Schutz der Daten. Was Interoperabilität angeht: Wir zeigen auf der DMEA unsere neue Interoperabilitätsplattform, die in der M-KIS-Architektur fest verankert ist und Kunden große Spielräume bei der Anbindung externer Systeme eröffnet. Unser Ansatz ist offen und interoperabel, aber wir sorgen auch dafür, dass am Ende ein funktionierendes Ökosystem dabei herauskommt.