Sektorenübergreifende Versorgung zum Anfassen
Medizinische IT-Lösungen sollten reibungsfrei interagieren – und KI-Tools die Patientenreise intelligent unterstützen. Was das für die CGM bedeutet, verraten Jana Schmidt und Ecky Oesterhoff von CGM.

Ecky Oesterhoff (Senior Business Developer) und Jana Schmidt (Senior Product Manager AI) im DMEA-Interview. Foto: CGM
Wie wird sich die CGM bei der DMEA 2026 präsentieren?
E. Oesterhoff: Bei der DMEA 2025 waren erstmals alle CGM-Unternehmen auf einer Standfläche vereint. Dieses Jahr zeigen wir, wie diese Systeme in einem interoperablen System die Versorgungslandschaft unterstützen. Damit unterstreichen wir, dass ambulante Praxen, Krankenhäuser und Rehakliniken für uns keine separaten Welten sind, sondern Teil eines digital vernetzten Ökosystems. Die Gesundheitspolitik setzt immer stärker auf „digital vor ambulant vor stationär“. Das lässt sich nur umsetzen, wenn die unterschiedlichen IT-Systeme reibungsfrei und interoperabel funktionieren. Dafür steht die CGM. CGM steht auch für eine möglichst weitgehende Einbindung der Patientinnen und Patienten. Elektronische Patientenakte und Patientenportale halten das digitale Ökosystem wie ein Kitt zusammen und ermöglichen es, dass Daten und Dokumente die Patientinnen und Patienten nahtlos durch die Einrichtungen begleiten. Dieser Philosophie folgt auch unser Stand in Berlin: Wir inszenieren alle Systeme gleichberechtigt. Und im Zentrum stehen unsere beiden Expertinnen Nina Bougatf und Jana Schmidt, die anhand einer Patientenreise zeigen, was Interoperabilität und künstliche Intelligenz (KI) in der Versorgung konkret leisten können, wenn sie übergreifend gedacht werden. Auf DMEA-Ständen sind ja sonst meist nur Ausschnitte der Versorgung zu sehen. Bei der CGM gibt es das komplette Bild.
J. Schmidt: Diese übergreifende Herangehensweise zeigt sich auch darin, wie die CGM bei den Themen KI und Interoperabilität organisiert ist. Was den KI-Part angeht, für den ich zuständig bin: Es gibt nicht zu jedem Produkt ein isoliertes KI-Team. Wir haben vielmehr ein internationales und sektorenübergreifend besetztes KI-Team, das in enger Abstimmung mit den Anwenderinnen und Anwendern KI-Use Cases entwickelt, die dann in unterschiedliche Produkte einfließen. Diese zentrale KI-Entwicklung wollen wir bei der DMEA auch zeigen – und dann natürlich konkrete Beispiele dafür liefern, welchen Nutzen/Mehrwert das in einzelnen Produkten bringt.
Welche KI-gestützten Versorgungsprozesse werden am CGM-Stand konkret zu sehen sein?
J. Schmidt: Ein Beispiel für ein bereits marktfertiges Produkt ist der Dokumentationsassistent, den wir für Arztinformationssysteme (AIS) und Klinikinformationssysteme (KIS) anbieten. Dieser Assistent hört beim Arzt-Patienten-Gespräch mit und macht einen konkreten Vorschlag für die Dokumentation – und zwar nicht eine Copy Paste Version, sondern tief integriert in das KIS oder das AIS. Wir zeigen auch KI-Assistenten, die einen Patientenüberblick geben und solche, die Ärztinnen und Ärzte beim Entlassbrief unterstützen. Diese Assistenten gehen aktuell in die Pilotierung. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir bei der DMEA interessierte Einrichtungen fänden, die bei der Pilotierung in den nächsten Quartalen mit uns zusammenarbeiten wollen.
Das klingt jetzt aber doch wie einzelne KI-Assistenten. Wo ist das Zentrale, das Verbindende an diesem Ansatz?
J. Schmidt: Wir entwickeln diese Assistenten gerade nicht alleinstehend. Wenn wir bei den Krankenhäusern bleiben, die den Schwerpunkt der DMEA bilden: Was wir mittelfristig aufbauen werden, ist eine neue Anwendung, die wir HealthAssistant nennen. Anwenderinnen und Anwender sollen sich künftig an diesen HealthAssistant wenden und bestimmte Aufgaben an virtuelle Agenten übergeben können. Diese führen die delegierten Aufgaben dann automatisiert aus. Das kann die Erstellung eines Befundbriefs sein, ein Entlassbrief, eine Codierung oder auch einfach die Suche nach einzelnen Akteneinträgen, Befunden oder Diagnosen. Den HealthAssistant werden wir bei der DMEA als Prototyp dabeihaben. Und wir freuen uns auf möglichst viel Feedback, um diese Lösung zügig zu finalisieren.
E. Oesterhoff: Eine solche Plattform, sauber umgesetzt, ist für Anwenderinnen und Anwender sehr komfortabel. Aber sie hat auch noch eine betriebliche Dimension: Die IT-Chefs bzw. CIOs von Krankenhäusern werden im Moment mit KI-Lösungen quasi überrannt. Am Ende gibt es dann Dutzende singuläre Lösungen, die jede für sich toll funktionieren, aber die in Summe extrem schwer zu administrieren sind. Hier ist ein Plattformansatz absolut hilfreich. Denn als Krankenhaus-IT muss ich im Prinzip nur die Plattform ausrollen, und die über die Plattform zugänglich gemachten KI-Services können dann nach Bedarf angewählt werden. Das müssen übrigens auch nicht immer LLM-basierte Tools sein. Gute Algorithmen behalten ihren Stellenwert. LLM-KI ist nicht für alles geeignet, sie hat zudem einen relevanten ökologischen Fußabdruck. Wir glauben auch nicht daran, dass LLMs alle Interoperabilitätsprobleme lösen. Semantisch sauber abgelegte Daten sind das A und O – für KI-Tools genauso wie für sektorübergreifende Versorgungsszenarien.
Die DMEA ist immer auch ein digitalpolitisches Forum. Die CGM ist einer der großen deutschen Healthcare-IT-Player. Welche Diskussionen erwarten Sie dieses Jahr?
E. Oesterhoff: Da gibt es viel zu diskutieren. Wir haben jetzt eine aktualisierte Digitalstrategie, das ist sehr gut. Im ambulanten Bereich werden Terminportale und Patientensteuerung ein großes Thema der nächsten Monate und Jahre. Deutschland baut ein Primärarztsystem auf, und das wird ohne digital gestützte Patientensteuerung nicht gehen. Dass das komplette Thema der Patientensteuerung und Terminierung über die Telematikinfrastruktur (TI) abgewickelt werden kann, glauben wir nicht. Wir denken eher, dass Patientenportale wie unser m.Doc-Portal die Telematikinfrastruktur und die elektronische Patientenakte (ePA) sinnvoll erweitern können. Dennoch: Wir sollten die TI nicht kleinreden, sondern so viel wie möglich und wie sinnvoll über die TI abwickeln. Auch das kann man sich übrigens bei uns am DMEA-Stand ansehen. Die CGM ist einer der wichtigsten Anbieter von TI-Infrastruktur-Komponenten.